Der Laienbruder beim Holzhacken an der Klause

Aufzeichnungen aus der Klause
Zwischen den Flüssen im Dharmaland

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Samstag, August 8

Pars secunda. Vom Leben und vom Sterben

Als ich am nächsten Morgen zur Weide kam, um den Rössern die Decken abzunehmen, sah ich es. Eines der Rösser lahmte auf dem linken Vorderlauf. Ich ging hin, hob den Lauf und fühlte mit der Hand. Er war geschwollen und heiss. Das hiess nichts Gutes. Und so zäumte ich das andere Ross auf und machte mich auf den Weg zu Ollen Jan, dem alten Bauern aus der Nähe.

Ich traf ihn auf seinem Hof an und erzählte ihm vom Ritt des vorigen Tages und vom geschwollenen Lauf. Er fragte nicht lange, holte sein Ross aus dem Stall und zäumte es. Zusammen ritten wir zurück zur Weide.

Dort liess er seine erfahrenen Hände über den Vorderlauf gleiten, drückte hier und dort. Dann wandte er sich zu mir und sagte: "Da könnt Ihr nichts mehr machen." Ich nickte. 

Wir nahmen sein Ross und meines an den Zügeln und führten sie zum Stall. Sie sollten nicht sehen, was nun geschehen musste. Ollen Jan ging zurück zum verletzten Ross, während ich zur Klause ging. Ich nahm das Beil, ein langes Messer sowie ein langes Tuch und steckte alles in meinen Gürtel. So gerüstet kehrte ich zurück zu Ollen Jan, der dem Ross ein Seil um den Hals gelegt hatte, um es zu halten.

"Gebt mir das Beil, Bruder", sagte er zu mir. Er wollte mir ersparen, die Hand selbst zu führen. Ich winkte ab. "Mein Ross, meine Hand!"

Dann traten wir ohne Worte an unseren Platz, er rechts vom Kopf, ich links. Rösser sind Fluchttiere, sie spüren jede Spannung. Ollen Jan streichelte und klopfte den Hals auf seiner Seite, und ich tat es auf der meinen. Meine linke Hand fuhr langsam zum Kopf hinauf und legte sich wie von ungefähr über das Auge, dass es auf meiner Seite nichts sah. Ich hatte das Tuch aus der Klause mitgenommen; nun zog ich es hervor, und wo eben noch meine Hand gelegen hatte, band ich es ihm sacht über beide Augen. Das Ross stand still. Ollen Jan zog den Kopf am Seil nach unten und trat zur Seite, so weit das Seil es litt. 

Ich trat einen halben Schritt zurück, zog das Beil, drehte die stumpfe Seite nach vorn und führte den Schlag mit einem Ruck aus der Hüfte, wie man eine Peitsche schlagen lässt. Ich traf die Stirn, wo sich die Linien von Ohr und Auge kreuzen, und die Schädeldecke barst. Das Ross stand noch, dann knickten die Vorderläufe ein. Im gleichen Augenblick stiess Ollen Jan den Leib, dass er auf die rechte Seite fiel und liegen blieb.

"Sauber!", entfuhr es ihm.

Ich liess das Beil fallen, zog das lange Messer aus dem Gürtel und kniete am Hals nieder. Mit der Linken zog ich den Kopf zurück, dass die Kehle sich streckte, und führte mit der Rechten den Schnitt im Halbkreis. Das Blut schlug heraus und über mich. So musste es sein, damit der Leib leer würde. Ich steckte das Messer zurück in den Gürtel und hob das Beil wieder auf.

Wir standen beide und sahen den Leib an. Die kurzen Haare des Fells richteten sich auf, zuerst an den Schultern. Dann lief es wie eine Welle weiter bis zum Hinterteil. 

Das Leben hatte das Ross verlassen. Zurück blieb ein Kadaver.