Der Laienbruder beim Holzhacken an der Klause

Aufzeichnungen aus der Klause
Zwischen den Flüssen im Dharmaland

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Sonntag, August 9

Pars tertia. Vom Abschied und vom Schinder

Ollen Jan war noch am Mittag auf seinem Ross davon, den Schinder zu bestellen; der hauste ein gutes Stück hinter dem Kirchspiel. Ich ging zur Klause, legte das blutige Gewand ab und schüttete mir Eimer um Eimer kalten Wassers über den Leib, bis das Wasser klar ablief. Dann legte ich ein reines Gewand an.

Als die Nacht heraufzog, holte ich das andere Ross aus dem Stall und führte es an den Zügeln dorthin, wo sein Gefährte im Gras lag. Es schnaubte leise, blähte die Nüstern und blieb stehen. Der Geruch von frischem Blut hing schwer in der Abendluft.

Ich liess den Zügel locker. Bedächtig trat es näher, streckte den Hals aus und berührte den kalten Leib mit der Schnauze, erst an der Flanke, dann an der Mähne. Es stiess einen tiefen, zitternden Atemzug aus, scharrte einmal mit dem Huf und wandte sich ab. Es sah mich an, schüttelte die Mähne und folgte mir ohne Widerstand zurück zum Stall. 

Nun wusste es, wo der Gefährte geblieben war. Es würde nicht mehr suchen.

Ich aber ging zurück. Die Dämmerung wich der Finsternis, und die Kälte kroch aus dem Boden. Ich entfachte ein kleines Feuer unweit des Kadavers, nahm mein Beil und setzte mich auf einen Stein. Das Abholen und Abziehen war des Schinders Werk und niemandes sonst; wer ehrlich heissen wollte, rührte kein gefallenes Vieh an. 

Aus den nahen Gehölzen drang das Rascheln des Raubzeugs; der Blutgeruch lockte die Füchse und Marder an, und hoch über mir hörte ich das Rufen der Käuze. So sass ich die lange Nacht hindurch, wachte über den Leib meines Gefährten und hielt das Raubzeug mit dem Feuer und meiner Gegenwart fern.

Im ersten Grauen des Morgens hörte ich das Poltern eines schweren Karrens; der Schinder fährt vor Tag, ehe ihm die Leute begegnen. Zwei magere Klepper zogen den Wagen, und auf dem Bock sass der Mann im fahlen Licht, schweigend, in ein rohes Ledergewand gehüllt. Er stieg ab, ohne mich anzusehen, und auch ich sprach kein Wort.

Ohne Suchen und ohne Hast wand er ein Seil um die Läufe des toten Rosses, legte eine Bohle an und zog den starren Leib hinauf auf den Wagen. Das Holz ächzte unter der Last. Als das Werk getan war, warf er eine grobe Plane darüber, stieg auf den Bock und trieb seine Klepper an.

Ich sah dem Wagen nach, wie er im Nebel des Frühmorgens verschwand, bis das Rumpeln der Räder nicht mehr zu hören war. 

Zurück blieb nur das plattgedrückte, blutgefleckte Gras im Tau.