Der Laienbruder beim Holzhacken an der Klause

Aufzeichnungen aus der Klause
Zwischen den Flüssen im Dharmaland

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Dienstag, August 4

Vom Apfelbaum

Das Gras war wieder hoch, und ich ging, die Sense zu holen. Neben der Klause steht ein Apfelbaum. Ich sah, dass viele Äpfel rund um den Baum am Boden lagen. So verwarf ich den Gedanken an das Sensen und holte stattdessen einen grossen geflochtenen Korb aus der Klause, denn die Äpfel mussten zuerst aufgelesen werden. Danach konnte ich mit dem Sensen weitermachen.

Äpfel ohne Makel las ich in den Korb. Es gab solche, an denen die Vögel herumgepickt hatten; die hatten braune Stellen. Sie legte ich auf einen eigenen Haufen, für die Rösser. Und dann waren da solche, die lagen schon länger und waren faul. Die liess ich liegen. Ich wollte sie später auf den Mist tragen.

Ich nahm einen von den guten Äpfeln, rieb ihn am Ärmel blank und biss hinein. Während ich ass, dachte ich darüber nach, wie klug dieser Apfelbaum ist. Nicht mir zuliebe wirft er seine Äpfel ab. Im Apfel liegt sein Same. Süss schmeckt er, damit die Tiere ihn fressen, und zwar ganz. So wandert der Same durch den Leib, bis er wieder ausgeschieden wird, zusammen mit dem Kot. Der Baum hat seinen Samen also schon mit dem gesetzt, was ihn nährt, und ein neuer Apfelbaum entsteht. Der Baum hat auch mich eingespannt, und ich habe es ihm mit Appetit gedankt.

Weiss der neue Baum, von wem er stammt? Nein, ein Apfelbaum weiss nichts. Aber ganz der alte wird er auch nicht. Aus dem Kern wächst ein anderer Baum; seine Äpfel geraten herber oder kleiner, und wer die süssen wiederhaben will, muss ein Reis vom alten Baum auf den jungen setzen. Was durch den Samen geht, ist nicht derselbe Baum. Es ist Fortsetzung, nicht Wiederkehr.

Auch anderswo sieht man dieses Streben. Gehe ich in den nächsten Wald, so sehe ich, dass Bäume, die nahe beieinander stehen, die gleiche Höhe haben. Warum ist das so? Bäume streben ans Licht, und nur dort tragen sie ihre Blätter, es einzufangen. Wächst der Nachbar, so wachsen die anderen mit, denn sie wollen ihr Licht behalten. Steht einer allein, so bleibt er niedrig, wenn ihm das Licht genügt. Höher hinauf wäre Verschwendung.

Ein und derselbe Trieb macht die Äpfel süss und treibt die Bäume um das Licht in die Höhe. Die Natur verschwendet nichts, und sie verschont nichts.

Ich trug den Korb in die Klause und nahm die Sense. Das Gras wartete.