Der Laienbruder beim Holzhacken an der Klause

Aufzeichnungen aus der Klause
Zwischen den Flüssen im Dharmaland

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Freitag, Juli 24

Vom Stillstand

Es gibt mancherlei Wege, der Lehre des Erwachten zu folgen. Aber viele führen irgendwann zu einem Punkt, wo es nicht mehr weitergeht. Er spürt es, weil Er alles versucht und gesucht hat. Das, was Er meinte gefunden zu haben, war doch nur Blendwerk. Das erkennt Er irgendwann unweigerlich, weil das, was Er fühlt, und das, was gelehrt wird, nicht übereinstimmen. Und so bleibt Er an diesem Punkt, weil es nicht weitergeht.

Es herrscht der Stillstand.

Manche, die bereits Pflichten übernommen haben, müssen weitermachen, obwohl sie innerlich stillstehen. Andere, die keine Verpflichtung haben, hören auf, dem Weg zu folgen, denn er geht nicht weiter. Zumindest denken sie das. Der Erste führt seine Verpflichtung ohne Lust aus, der Zweite wendet sich anderen Dingen zu. Beide werden keine neuen Versuche unternehmen, geschweige denn, dass sie irgendetwas suchen werden.

Ich, der heutige Laienbruder, war der Zweite, und bei mir dauerte der Stillstand über zwanzig Jahre. Der Weg war vergessen, aber ich war nicht angekommen. Nur, daran dachte ich auch nicht mehr.

Den Stillstand kann Er nicht aus sich selbst heraus beenden. Es muss etwas von aussen kommen, das Ihm den Weg weist. Zur rechten Stunde, genau für Ihn gemacht, und nur für Ihn. Manche nennen es Zufall, ich nenne es Dharma. Er wird aufgeweckt, in Ihm wird eine Flamme neu entzündet, sich mit dem Weg zu beschäftigen.

Nun glaube Er nicht, dass ich das Erwachen meine, das da von aussen kommt. Es ist ein Anstoss, mehr nicht. Wie der Vogelschrei, der von aussen auf den Leib trifft und der Leib antwortet.

Ein einzelner Anstoss wird den Stillstand nicht beenden, denn auch der Stillstand häuft etwas an über die Jahre. Da ist schlicht kein Feuer mehr in Ihm, das da durchbrennen könnte. Eine kleine Flamme wird wieder erlöschen, wenn der Anstoss vergessen ist. Und so muss etwas kommen, das immerfort Anstösse gibt, das Ihn auf Dauer peinigt, bis Er wieder in Flammen steht.

Bei mir war es so. Ein anderer Mensch zwang mich, wieder Worte zu setzen, Tag um Tag, und jedes Wort war ein Anstoss. Dieser Mensch wusste selbst nichts von den Anstössen. Er wollte nur seine Ansichten verteidigen. Aber die Anstösse kamen.

Ich erkannte als Erstes den Stillstand, denn den hatte ich überhaupt nicht bemerkt.

Am Grunde meines Stillstands stand ein Schild. Auf dem standen zwei Wörter: Samsara und Nirvana. Auf einem Schild. Denn der Weg, dem ich gefolgt war, führte nicht weiter als bis zu diesem Schild. Das war es, worin dieser Weg endete: dass beide eines seien. Ich war also in der Tat am Ende dieses Weges angelangt. Das wurde mir ganz klar.

Und so fragte ich mich, warum das so ist. Und die Antwort ist nicht schwer zu finden, denn Ziel der Übung dieses Weges ist, dass die Wahrnehmung unmittelbar geschieht, ohne Wahrnehmenden, für einen Augenblick. 

Klack. 

Der kleine Stein, der an die Mauer springt. 

In diesem Augenblick ist da nur Klack. Kein Samsara wird gesetzt und kein Nirvana, kein Leidender und keiner, der vom Leiden frei wäre. Erst der Zurückgekehrte macht daraus das Schild.

Ich muss jedoch nicht einmal die Lehre betrachten, sondern nur meinen Leib, um zu sehen, dass sich Samsara und Nirvana unterscheiden, nämlich durch Leiden. Ob man Wege beschreitet oder nicht, es ist schlicht so. Und dieser Weg, den ich beschritten hatte, gab nur eine Antwort darauf: 

Klack. 

Klack führt zum Schild, Schild führt zum Stillstand.

Und so wurde es mir möglich, mich von diesem Weg zu lösen und mich der Lehre des Erwachten in ihrer ursprünglichen Form zuzuwenden, so, wie sie überliefert wurde.

Und auch dort frassen sich meine Flammen durch alles, was nicht vor dem Leib bestehen konnte. Was übrigblieb, war kein Schild und kein Ende des Weges, sondern die Arbeit, das Leiden aufzugreifen, seine Gründe aus dem Weg zu räumen und das Leiden verlöschen zu lassen.