Der Laienbruder beim Holzhacken an der Klause

Aufzeichnungen aus der Klause
Zwischen den Flüssen im Dharmaland

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Montag, Juli 6

Von der Wagenschmiere

Rings um die Klause sah es wieder schön aus. Das Gras war gesenst. Ich hatte es liegen gelassen und gewendet, bis es trocken war. Dann schob ich es zu kleinen Haufen zusammen und fuhr Karren um Karren zum Stall, wo ich es aufschichtete, für die Rösser im Winter, die jetzt auf der Weide grasten.

Der Karren steht das Jahr über draussen hinter dem Stall, in Regen und Schnee. Das Eisen an der Achse setzt Rost an, das Holz quillt, die alte Schmiere ist ausgewaschen. Jedes Mal, wenn ich ihn brauche, ist er schwergängig, er ächzt und kreischt und will nicht. Erst nach etlichen Fuhren ist der Rost abgelaufen, und er läuft leicht. Diesmal aber habe ich Wagenschmiere genommen und Achse und Naben eingerieben, ehe ich die erste Fuhre lud. Und er lief gut vom ersten Rad an.

Mit dem trägen Leib ist es nicht anders. Die harte Arbeit fällt ihm nicht leicht, er sitzt lieber auf dem Lehnstuhl, statt Gras zu sensen, und ich schiebe sie hinaus, bis es nicht mehr geht. Aber sie ist eine gute Übung. Denn was für Ausflüchte ich mir auch ersinne, die Arbeit bleibt, und das Gras wird höher. Und irgendwann regt sich etwas in mir, und es kippt, und ich fange an. Und zuerst ächzt und kreischt es in mir wie in den rostigen Rädern, ehe es läuft.

Also nehme ich auch hier Schmiere, ehe ich beginne, und mache gängig, was den Leib bremst und ihm widersteht. Ich stelle mir vor, wie schön es danach aussieht, dass die Arbeit dem Leib wohltut, dass die Rösser Futter haben. So wiegt das eine das andere auf, wie zwei Schalen einer Waage, die sich halten. Ich fange an zu arbeiten, und es ist kein Leiden dabei.

Es ist fort. Warum ist es fort? Weil es keinen Grund mehr hat, darauf es stehen könnte.

So halte man es mit jeglichem Leiden, das einen knechtet. Zieht es einen an, so stelle man sich das Abstossende daran vor. Stösst es einen ab, so stelle man sich das Anziehende vor. So wiegt sich das eine gegen das andere auf, und es verschwindet.

Und weil es verschwindet, verlischt, tritt es nicht mehr ins Gemüt. Es ist nicht bloss abwesend, es ist verloschen. Es ist nicht mehr. Und so ist man wieder um ein Stück freier.

Und besieht man es recht, so gibt es das Leiden gar nicht als eigenes Ding. Es gibt nur die Natur: draussen das Gras, das wächst, und drinnen den Leib, der nicht will. Das Leiden ist bloss der trockene Gang zwischen beiden, das Ächzen der ungeschmierten Achse. Und Schmiere gibt es genug.