Der Laienbruder beim Holzhacken an der Klause

Aufzeichnungen aus der Klause
Zwischen den Flüssen im Dharmaland

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Dienstag, Juli 14

Vom Menschen Gautama

Da alles Leib ist, kann der Mensch dem nicht entfliehen. Indem er den Leib betrachtet und seine Äußerungen, so offenbart sich ihm der Mensch. Und so will ich es mit Gautama tun, dem Buddha, dem vollkommen Erwachten. Was war er für ein Mensch?

Die Frage klingt vermessen. Zweitausend Jahre Verehrung haben aus dem Mann von Kapilavatthu eine Gestalt gemacht, die über dem Menschlichen schwebt: die zweiunddreißig Zeichen des großen Mannes, die goldene Haut, das Rad auf der Fußsohle. Wer den Menschen sucht, dem hält die Überlieferung ein Bildnis hin.

Doch die Überlieferung ist nachlässig gewesen, und dafür sei ihr gedankt. Zwischen den Bildnissen hat sie stehen lassen, was kein Verehrer erfunden hätte: den schmerzenden Rücken, den Mittagsschlaf, das Scheitern, den Zorn, das harte Wort gegen eine junge Frau. Diese Stellen sind glaubwürdig, gerade weil sie unbequem sind. Niemand dichtet seinem Heiligen die Ruhr an.

Ich halte mich an den Kanon und nur an ihn. Was die späteren Schriften hinzugesponnen haben, den nächtlichen Aufbruch von Weib und Kind, die Rache der Verschmähten, das lasse ich beiseite. Der Kanon genügt. Er zeigt einen Menschen, und er zeigt ihn, wie alles Menschliche sich zeigt: am Leib und an dessen Äußerungen.

Der Leib, der schmerzt

Beginnen wir beim Rücken. Mehr als einmal berichtet der Kanon, wie der Erhabene mitten in der Belehrung abbricht. „Mein Rücken schmerzt, ich will ihn strecken", sagt er, faltet das Gewand zum Lager und legt sich nieder, während Sariputta oder Ananda weiterlehren (DN 33; MN 53; SN 35.243). Man beachte: Er verbirgt es nicht. Er sagt es der Versammlung schlicht und ruhig, wie ein Bauer sagt, dass das Wetter umschlägt.

Da ist das Windleiden, für das der ergebene Upavana heißes Wasser beschaffen muss (SN 7.13). Da ist die schwere Krankheit in Beluva, in seinem letzten Jahr, von der es heißt, heftige Schmerzen seien in ihm aufgestiegen, todbringende, und er habe sie kraft seines Willens niedergekämpft, weil er nicht sterben wollte, ohne die Sangha noch einmal angesprochen zu haben (DN 16). Da ist der Steinsplitter, den Devadattas Felssturz ihm in den Fuß treibt: Der Erhabene liegt, so der Kanon, mit heftigen, quälenden Schmerzen, achtsam und klarbewusst, gewiss, aber er liegt und leidet (SN 1.38).

Und da ist das Ende. Ein verdorbenes Mahl beim Schmied Cunda, blutige Ruhr, und auf dem letzten Weg nach Kusinara verlangt der Sterbende dreimal nach Wasser, obwohl Ananda einwendet, der Fluss sei von Wagenrädern aufgewühlt und trübe. „Bringe mir Wasser, Ananda, mich dürstet" (DN 16). Dreimal. Das ist kein Gott, der seinen Hingang festlich ordnet. Das ist ein alter Mann mit der Ruhr, den es dürstet.

Ich sage: Hier ist der Kanon am größten. Denn er bezeugt, was ich an anderer Stelle den einzigen Zeugen genannt habe, den Leib. Alles, was uns den Menschen Gautama sehen lässt, ist leiblich: Rücken, Gedärm, Fuß, Durst. Die Lehre mag man glauben oder prüfen; der schmerzende Rücken aber ist keine Lehre. Er ist ein Befund.

Der Alternde

Achtzig Jahre wurde er alt, und er hat das Altern nicht beschönigt. „Ich bin nun alt, Ananda, hochbetagt, am Ende meines Weges, im achtzigsten Jahr. Wie ein alter Karren nur noch mit Riemen zusammengehalten wird, so wird auch der Leib des Tathagata nur noch mit Riemen zusammengehalten" (DN 16). Der Karren mit den Riemen: das ist Bauernsprache, kein Priesterwort. So redet einer, der Karren gesehen hat, die man längst hätte verbrennen sollen und die dennoch fahren müssen.

Ein andermal betrachtet Ananda die Glieder des Meisters und wundert sich: schlaff sind sie geworden, faltig, die Haut welk. Und der Erhabene bestätigt es nüchtern: So ist es, Ananda. In der Jugend liegt das Altern, in der Gesundheit die Krankheit, im Leben der Tod (SN 48.41). Er widerspricht nicht. Er hält sich nicht für ausgenommen. Der Leib des Erwachten altert wie der Karren des Bauern, und der Erwachte sieht es und sagt es.

Und auch dies gehört hierher: der Mittagsschlaf. Der Streiter Saccaka wirft ihm vor, er ruhe am Tage, ein Zeichen der Verblendung, wie manche sagen. Gautama gibt es ohne Umschweife zu: Im letzten Sommermonat, nach dem Mahle, lege er das Gewand vierfach zusammen und ruhe achtsam auf der rechten Seite. Und Verblendung sei das nicht (MN 36). Man stelle sich vor: Der vollkommen Erwachte verteidigt seinen Mittagsschlaf. Ich gestehe, keine Stelle des Kanons ist mir lieber.

Furcht und Scheitern

Der Kanon verschweigt auch nicht, dass dieser Mann die Furcht kannte. Vor dem Erwachen, in den einsamen Waldschreinen bei Nacht, kam Furcht und Grauen über ihn; wenn ein Pfau einen Zweig brach oder der Wind das Laub bewegte, sträubten sich ihm die Haare (MN 4). Er hat es später selbst erzählt, ohne Not, denn niemand hätte danach gefragt. Und er erzählt, wie er dem Grauen begegnete: nicht durch Flucht, sondern indem er blieb, in welcher Haltung auch immer es ihn überkam, bis es sich legte. Das ist ein Handwerk, kein Wunder; die Wagenschmiere, bevor der Karren in den Hohlweg fährt.

Er hat auch sein Scheitern erzählt, und zwar härter, als es ein Feind gewagt hätte. Die Jahre der Askese: die Glieder wie dürre Rohrknoten, das Gesäß wie ein Kamelhuf, die Rippen wie die Dachsparren einer verfallenen Scheune, die Augäpfel tief in den Höhlen wie das Glitzern von Wasser in einem tiefen Brunnen. Wenn er die Bauchhaut anfasste, ergriff er das Rückgrat (MN 36). Sechs Jahre in die falsche Richtung, mit ganzer Kraft, und dann die Umkehr, das Eingeständnis, die Milchreisschale der Sujata. Die fünf Gefährten spuckten aus und gingen: Der Asket Gotama ist der Üppigkeit verfallen.

Und dann das vielleicht menschlichste Stück des ganzen Kanons. Frisch erwacht, auf dem Weg nach Benares, begegnet ihm der Ajivika Upaka. Gautama verkündet ihm, was geschehen ist: Allüberwinder sei er, Allwissender, selbst erwacht, ohne Lehrer. Und Upaka? Sagt: „Mag sein, Freund", schüttelt den Kopf und nimmt einen Seitenweg (MN 26). Der erste Lehrversuch des vollkommen Erwachten endet damit, dass der Zuhörer ihn stehen lässt.

Auch das Zögern davor sei genannt: Nach dem Erwachen neigte sich sein Geist dem Nichtlehren zu. Die Menschen, in ihrer Lust verstrickt, würden es nicht verstehen; es wäre nur Mühsal für ihn, nur Plage (MN 26; SN 6.1). Erst die Bitte des Gottes Brahma stimmte ihn um, oder, wer den Gott hinwegnimmt: erst ein zweiter Gedanke. Der Mann, der fünfundvierzig Jahre lehren sollte, wollte zuerst schweigen, weil es ihm zu beschwerlich schien.

Und noch einmal, viele Jahre später, in Kosambi: Die Mönche dort zerstritten sich über eine Nichtigkeit des Ordensrechts, und der Erhabene mahnte, und sie hörten nicht, und er mahnte wieder, und einer sagte ihm ins Gesicht, er möge sich um sein eigenes Wohlverweilen kümmern. Da nahm der Erhabene seine Almosenschale und ging allein in den Parileyya-Wald (Vinaya Mv 10; Ud 4.5). Man nenne es Rückzug oder Gleichmut; ich nenne es, was es ist: Er gab sie auf. Der Lehrer der Götter und Menschen wich vor einem Mönchszank und zog es vor, bei einem Elefanten zu wohnen.

Der Zärtliche

Es steht eine Geschichte im Ordensrecht, die alle Wundergeschichten des Kanons aufwiegt. Ein Mönch liegt an der Ruhr erkrankt in seinem eigenen Kot, und die anderen gehen an ihm vorüber, denn er ist ihnen nichts mehr nütze. Der Erhabene findet ihn, fragt, warum ihn niemand pflege, und hört die Antwort: Er tut nichts für die Mönche, also tun die Mönche nichts für ihn. Da schickt er Ananda um Wasser, und der Buddha selbst wäscht den Kranken, und sie heben ihn zu zweit auf das Lager. Dann ruft er die Sangha zusammen: „Ihr habt keine Mutter und keinen Vater, die euch pflegen könnten. Wenn ihr einander nicht pflegt, wer wird euch dann pflegen? Wer mich pflegen würde, der pflege die Kranken" (Vinaya Mv 8.26).

Man lese den letzten Satz zweimal. Wer mich pflegen würde. Er setzt seinen eigenen Leib als Maß ein, nicht die Lehre, nicht das Verdienst, den Leib. Die Sorge um den Kranken ist die Sorge um ihn. Näher ist der Kanon dem Fleisch nie gekommen.

Und da ist der Vater. Dem kleinen Rahula, seinem Sohn, der als Novize bei ihm lebt, erklärt er das Lügen nicht mit Höllen und Weltaltern, sondern mit dem Wasserrest in der Schöpfkelle: So wenig, wie hier Wasser ist, so wenig Asketentum bleibt in dem, der wissentlich lügt. Dann kippt er die Kelle um, dann zeigt er sie leer (MN 61). Das ist Unterweisung mit den Händen, für ein Kind gemacht, geduldig und greifbar. Wer je einem Kind etwas beigebracht hat, erkennt den Griff.

Auch der Trauer war er fähig, auf seine verhaltene Art. Als Sariputta gestorben war, sein bester Mann, sagte er vor der Sangha: „Die Versammlung erscheint mir leer, nun da Sariputta verloschen ist" (SN 47.13). Gewiss, es folgt die Belehrung: Alles Liebe und Angenehme muss sich trennen. Aber der Satz davor steht da. Die Versammlung erscheint mir leer. Ein Mann vermisst einen Mann.

Und zuletzt, auf dem Sterbeweg, der Blick zurück: „Lieblich ist Vesali, lieblich der Udena-Schrein, lieblich der Gotamaka-Schrein" (DN 16). Er zählt die Orte auf wie einer, der weiß, dass er sie nicht wiedersehen wird. Das ist kein Gleichmut. Das ist Abschied. Wer am schönen Ort nichts empfindet, zählt seine Schreine nicht auf.

Die scharfe Zunge

Nun aber die andere Seite, und ich werde sie nicht glätten.

Dieser Mann konnte hart reden, öffentlich und mit Bedacht. „Moghapurisa", törichter Mensch, Hohlkopf: so herrscht er den Mönch Sati an, vor versammelter Sangha, wieder und wieder, weil dieser lehrt, das Bewusstsein wandere durch die Wiedergeburten (MN 38). Dasselbe Wort trifft Arittha (MN 22). Man mag sagen: Die Irrlehre war grob, die Zurechtweisung nötig. Aber der Ton ist gewählt, und er ist demütigend, und er fällt vor Zeugen.

Devadatta, den treulosen Vetter, nennt er vor der Sangha einen khelasaka, einen Speichelschlucker, einen, der Ausgespucktes frisst, und lässt öffentlich verkünden, Devadatta sei der Hölle verfallen, ein Weltalter lang, unrettbar (Vinaya Cv 7). Was immer Devadatta getan hat: Das ist kein Urteil mehr, das ist Vernichtung.

Und er hat diese Härte nicht etwa bereut, sondern begründet. Dem Königssohn Abhaya, der ihn mit der Devadatta-Frage in die Falle locken will, erklärt er gelassen, wie er es mit der Rede hält: Auch unwillkommene, unangenehme, verletzende Rede spreche der Tathagata, wenn sie wahr sei und nützlich; er kenne die rechte Zeit dafür (MN 58). Das ist folgerichtig, und es ist gefährlich. Denn wer entscheidet, was nützt? Derselbe, der spricht.

Dem Abtrünnigen Sunakkhatta widmet der Kanon eine ganze lange Lehrrede des Spotts (DN 24), ein Strafgericht über ihn und die nackten Büßer, denen er nachlief, voller Hohn und mit sichtbarer Lust am Kleinsten. Und im Mahasihanada (MN 12), ebenfalls durch Sunakkhattas Abfall veranlasst, brüllt der Löwe seitenlang das eigene Lob: die zehn Kräfte, die vier Selbstgewissheiten, die Furchtlosigkeit in jeder Versammlung. Wer da nicht an ihm irre werde, sagt er, den müsse man schon in die Hölle zerren, und wer an ihm irre werde, den werde die Hölle holen. Die Hölle als Waffe der Rede: Sie kehrt in diesen Lehrreden wieder wie der Knüppel hinter der Scheunentür.

Selbst im Sterben, zu Subhadda, dem letzten Bekehrten: Nur wo der achtfache Pfad gelehrt werde, sein Pfad, dort gebe es echte Asketen; die anderen Lehren seien leer davon (DN 16). Man kann das Klarheit nennen. Man kann es auch nennen, was es außerdem ist: das Wort eines Stifters, der sein Werk allein gültig wissen will.

Die Frauen

Das schwerste Stück. Ich trage es vor, wie es im Buche steht.

Als Mahapajapati, seine Ziehmutter, die ihn an der eigenen Brust genährt hatte, um die Aufnahme in den Orden bat, wies er sie ab. Dreimal. Sie schnitt sich das Haar, legte die gelben Gewänder an, ging ihm zu Fuß nach und stand weinend, mit geschwollenen Füßen, staubbedeckt vor dem Tor, und er wies sie wieder ab, bis Ananda sich ins Mittel legte. Dann kam das Zugeständnis, aber zu welchem Preis: acht schwere Regeln, die garudhammas, darunter die, dass eine Nonne von hundert Jahren sich vor dem jüngsten Mönch zu verneigen habe. Und hinterher das Wort, mit der Aufnahme der Frauen werde die gute Lehre statt tausend nur fünfhundert Jahre bestehen, wie ein Haus mit vielen Frauen und wenigen Männern den Räubern leicht zur Beute falle (Vinaya Cv 10; AN 8.51).

Und Ananda, der Fürsprecher, fragte ihn ein andermal: Wie sollen wir uns gegenüber Frauen verhalten? „Nicht ansehen, Ananda." „Und wenn wir sie sehen?" „Nicht ansprechen." (DN 16).

Und Magandiya. Ein Brahmane bietet ihm seine Tochter zur Frau an, ein Mädchen von gerühmter Schönheit, das sich diesen Handel nicht ausgesucht hat. Die Antwort des Erhabenen, im Vers überliefert: Nicht einmal beim Anblick der Töchter Maras sei Verlangen in ihm entstanden. „Was ist denn dies hier, voll von Harn und Kot? Nicht einmal mit dem Fuße möchte ich es berühren" (Snp 4.9). „Es", nicht „sie". Vor ihm steht ein Mensch, und er macht daraus einen Sack Unrat, den man nicht mit dem Fuß anstößt.

Ich weiß, was die Verteidiger sagen: Das sei die Betrachtung des Unreinen, asubha, das Heilmittel wider die Gier, und der Mönch übe sie am eigenen Leibe. Wohl. Aber hier wird sie nicht am eigenen Leibe geübt, sondern einem jungen Weibe ins Gesicht gesagt, vor ihrem Vater. Das Heilmittel des Mönchs, nach außen gekehrt, wird zur Verachtung, und die Verachtung trifft nicht die Gier des Mönchs, sondern den Leib der Frau, die nichts getan hat, als dazustehen.

Hier stehe ich wider ihn, mit allem, was ich habe. Denn einzig der Leib ist der Zeuge, und wer den Leib eines Menschen Kot nennt, hat den Zeugen geschmäht. Der Leib der Magandiya war so sehr Zeuge wie der seine: Er hat gehungert und gedurstet, ist gewachsen, hat geatmet, und er würde altern wie der Karren mit den Riemen. Dass in ihm auch Harn und Kot sind, macht ihn nicht verächtlich; es macht ihn wahr. Wer das Wahre verächtlich nennt, weil es ihm bei der Übung hilft, hat die Übung über den Menschen gestellt. Das ist die Stelle, an der ich dem Erwachten nicht folge, nicht aus Empörung, die wohlfeil wäre nach zweitausend Jahren, sondern weil sein eigener Kanon es anderswo besser weiß: Derselbe Mann hat einen Mönch aus dessen Kot gewaschen, mit eigenen Händen. Vor dem kranken Mönch war der beschmutzte Leib der Pflege wert. Vor der schönen Frau war der reine Leib Unrat. Man messe die beiden Stellen aneinander und schweige nicht darüber.

Der Sterbende

Auch im Sterben zeigt der Kanon beides, und beides sei gesagt.

Da ist der alte Mann, der die lieblichen Schreine von Vesali rühmt, der den Durst nicht mehr aushält, der zwischen zwei Sala-Bäumen sein Lager richten lässt. Da ist der Lehrer, der bis zuletzt fragt, ob noch einer der Mönche einen Zweifel habe, damit keiner sich später gräme, er habe nicht gefragt.

Aber da ist auch dies: Er macht Ananda zum Schuldigen seines Todes. Dreimal, so hält er ihm vor, habe er in Vesali den Wink gegeben, der Tathagata könne, wenn gebeten, das Weltalter vollenden, und dreimal habe Ananda den Wink nicht verstanden und nicht gebeten. „Dein ist der Fehler, Ananda, dein ist das Versäumnis" (DN 16). Dies, nachdem er selbst den Lebenswillen längst losgelassen hatte. Der treueste Diener, fünfundzwanzig Jahre an seiner Seite, steht am Sterbelager und bekommt gesagt, er hätte den Tod verhindern können, wäre er aufmerksamer gewesen. Es gibt ein Wort für diese Art, Last zu verteilen, und es ist kein schönes.

Und die letzte Strafe: Über den Mönch Channa, den störrischen, verhängt er vom Sterbebett den brahmadanda, die schwerste aller Bußen, das vollständige Schweigen der Gemeinschaft. Channa mag sagen, was er will; keiner soll ihm antworten (DN 16). Man kann darin Fürsorge sehen, und die späteren Schriften berichten, die Strafe habe Channa zur Umkehr gebracht. Aber der letzte Befehl eines Sterbenden ist eine Ächtung geblieben.

Auch dies gehört ins Bild, vom Anfang desselben Berichts: Als der Brahmane Vassakara, des Königs Ajatasattu erster Rat, ihn befragt, weil der König den Bund der Vajji angreifen will, gibt der Erhabene bereitwillig Auskunft über die sieben Quellen ihrer Stärke. Der Rat zieht die Folgerung an Ort und Stelle: Mit Waffen sei den Vajji nicht beizukommen, wohl aber durch Zwietracht. Er ging und säte sie (DN 16). Der Erhabene hat den Krieg nicht gewollt. Aber er hat dem Kriegsmann die Furt gezeigt.

Zuletzt

Was war er also für ein Mensch?

Ein Mann mit schlechtem Rücken und guter Bauernsprache. Einer, der Furcht kannte und stehen blieb, bis sie sich legte. Einer, der sechs Jahre mit voller Kraft in die Irre lief und den Mut hatte, umzukehren und es zu erzählen. Einer, der am ersten Zuhörer scheiterte und dann fünfundvierzig Jahre nicht mehr aufhörte. Einer, der einen Kranken aus dem Kot wusch und einer Frau ins Gesicht sagte, sie sei Kot. Einer, der ein Kind mit einer Schöpfkelle das Lügen lehrte und einen Vetter mit der Hölle erschlug. Einer, der im Sterben schöne Orte rühmte und den treuesten Freund beschuldigte. Ein zärtlicher, zorniger, eitler, geduldiger, harter, müder, wacher Mensch.

Die Frommen werden sagen: Das alles war Mittel, Kunst des Lehrers, upaya, und der Erwachte stand über dem, was er tat. Ich sage: Der Kanon gibt das nicht her, und es wäre auch das schlechtere Bild. Denn eine Lehre, die nur ein Gott hervorbringen konnte, geht mich nichts an; ich bin kein Gott, und ihr seid keine. Eine Lehre aber, die ein Mensch mit Rückenschmerzen, Zornesadern und Mittagsschlaf hervorgebracht hat, geprüft am eigenen Leibe, in Furcht und Hunger und Grauen, die ist eine Nachricht von meinesgleichen an meinesgleichen. Die kann ich prüfen, wo er sie geprüft hat: am Zeugen.

Denn dies bleibt am Ende stehen, und es wiegt mehr als alle Wundergeschichten zusammen: Alles, was uns diesen Menschen sehen lässt, ist Leib. Sein Ringen war leiblich, sein Scheitern war leiblich, seine Größe war leiblich, die Hand am kranken Mönch, die Kelle vor dem Kind, und seine Verfehlung war es auch: das Wort wider den Leib der Magandiya. Der Kanon wollte einen Heiligen überliefern und hat, Riemen um Riemen, einen Karren überliefert, der fuhr, bis er brach.

Ich verneige mich vor dem Karren. Der Heilige geht mich nichts an.