Der Laienbruder beim Holzhacken an der Klause

Aufzeichnungen aus der Klause
Zwischen den Flüssen im Dharmaland

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Dienstag, Juli 7

Dharmaland

Während der Nachtwache kreiste ein Wort durch meinen Kopf, dessen Schöpfer nicht ich, der Laienbruder, war: Dharmaland. Bei meiner Rückkehr fiel mir das Wort zu, wie aus dem Nichts. Auf einmal war es da, und es passte zu dem Ort, an dem ich bin, der Klause zwischen den Flüssen. So mag man sagen: der Ort hat sich diesen Namen selbst gegeben. Ich habe ihn nur aufgehoben.

Seltsam nur: als Grabowski und ich hier versuchten, die faulen Gelege aus dem Dharma zu entfernen, hat sich der Ort nie so genannt. Das geschah erst, als ich zurückkehrte. Warum? Damals beschäftigte ich mich nicht mit mir, sondern mit anderen. Und eigentlich nicht einmal mit denen, denn die anderen waren nur das, was der Weg, den ich gegangen war, in mir zurückgelassen hatte.

Diesen Weg habe ich aufgearbeitet, Stück um Stück. Das war Arbeit am Karma: dem Leiden die Grundlage entziehen. Erst als ich alles, aber auch wirklich alles abgelegt hatte, kam der Leib zum Vorschein, und ich konnte ihn annehmen als die einzige Wahrheit.

Warum also nennt sich dieser Ort Dharmaland? Weil sich hier der Dharma mühelos offenbaren kann. Mitten im Samsara tut er es kaum. Dort geht es um anderes, um Werden und Vergehen, um Haben, um Ablehnen. Ich hatte gemeint, ich könnte mitten in diesem Getriebe leben, ja sogar ohne den Dharma zu üben. Aber der Leib passt sich an. Man wird das, was man tut, und man wird der Ort, an dem man ist. Darum die Rückkehr, genau hierher.

Und als ich wieder eintraf, gab sich der Ort selbst diesen Namen, indem das Wort einfach erschien.

Hier also lässt sich der Dharma üben, in der Klause zwischen den Flüssen. Sie liegt auf halbem Wege zwischen Samsara und Nirvana, gerade im rechten Abstand, um weder das eine noch das andere aus dem Auge zu verlieren. Genau hier berühren sie sich. Der Erwachte sprach vom Weg der Mitte und meinte damit weder Kasteiung noch Sinnenlust. Ich nehme mir die Freiheit, das Wort auf meine Weise zu lesen: als einen Ort. Die Mitte liegt nicht zwischen zwei Arten zu leben, sondern zwischen zwei Landen, und genau hier hebt der Weg an.

Ich habe es oft erlebt, dass sich etwas fügte, was mir im Dunkeln lag. Diese Fügungen wurden mir scheinbar von aussen gegeben, so wenigstens mein Eindruck. Es flog mir zu, ohne dass ich selbst etwas dazugetan hätte. Es war einfach da, für einen Augenblick. Und das genügte zum tiefen Verstehen.