Vom Kämpfer Gautama
Viele Menschen habe ich, der Laienbruder, auf meinem Weg kennengelernt. Aber es war kein einziger darunter, der einen wirklichen Eindruck bei mir hinterlassen hätte. Mir geht es dabei nicht um die Tiefe des Verständnisses, um erlangte Weisheiten oder gar Einsichten.
Es geht darum, wie jemand mit sich ringt. Das ist der Boden, aus der Größe erwächst, nichts anderes.
Und genau hier setzt Gautama, ein Mensch aus verwöhntem Hause, ein Beispiel. Gewiss, seine Zeit als Asket brachte ihn an den Rand des Todes. Aber der Wille zeigt sich nicht im Hungern. Er zeigt sich früher, im Wald.
Bevor er der Buddha wurde, suchte Gautama die Orte auf, die andere mieden: abgelegene Waldschreine, Dickichte, Plätze, an denen die Haare zu Berge stehen. Er ging dorthin in den Nächten, von denen die Leute sagten, sie gehörten den Geistern, am vierzehnten, am fünfzehnten, am achten Tag des Halbmonds. Und die Furcht kam. Ein Tier brach durchs Unterholz, ein Pfau ließ einen Zweig fallen, der Wind wühlte im Laub, und das Grauen stieg in ihm auf wie in jedem Menschen, der allein in der Dunkelheit sitzt.
Nun höre, was er tat. Er floh nicht. Er rief keinen Gott an, sprach keine Formel, zündete kein Feuer. Er gab sich eine Regel: In welcher Haltung mich die Furcht überfällt, in dieser Haltung bleibe ich, bis ich sie bezwungen habe. Kam sie ihm beim Gehen, so ging er weiter, nicht stehen bleiben, nicht setzen, nicht legen. Kam sie ihm beim Sitzen, so blieb er sitzen, nicht aufstehen, nicht gehen. Kam sie ihm beim Liegen, so blieb er liegen, bis das Grauen niedergerungen war, dort, wo es ihn gepackt hatte.
Das ist keine Übung für Weise. Das ist die Regel eines Kämpfers. Er gab der Furcht keinen Fußbreit Boden, auf dem sie hätte verhandeln können. Kein Ausweichen, kein Aufschub, kein Verkleinern des Schlachtfelds. Der Leib, in dem die Furcht aufstieg, war derselbe Leib, der sie bezwang, an Ort und Stelle, in derselben Haltung, in derselben Nacht.
Aus solchem Holze sind Buddhas geschnitzt.