Der Laienbruder beim Holzhacken an der Klause

Aufzeichnungen aus der Klause
Zwischen den Flüssen im Dharmaland

❧ ✦ ☙

Freitag, Juni 12

Rückkehr zur Klause

Ich stand wieder vor der Klause, hier, zwischen den Flüssen. Alles war unberührt. Gras und Unkraut standen kniehoch, an den Mauern hatte sich Moos angesetzt, und die Hügel, die Grabowski einst ausgehoben hatte, waren nicht mehr zu sehen. So ist der Lauf der Welt: Was der Maulwurf gräbt, ebnet die Zeit.

Ich trat zur Bank, und freilich, der Schlüssel zur Klause lag noch da. Es hatte sich kein neuer Laienbruder gefunden.

Lange war ich fort gewesen, willens, Neues zu entdecken. Und anfangs, das sei nicht verschwiegen, war es auch so. Ich lernte neue Menschen kennen: gute, schlechte und mittelmäßige. Doch zuletzt musste ich mir eingestehen, dass es eigentlich nichts Neues mehr zu entdecken gab. Alter Wein in neuen Schläuchen, nichts weiter. Solch eine Einsicht zu festigen, braucht seine Zeit. Zuerst ist sie nur ein Gedanke, dann grübelt man, und dann, als risse ein Seil, weiß man es: Man ist am falschen Ort. Denn dort ist nichts Dharma, nicht im Entferntesten. Dort ist reinstes Samsara. Und je länger man darin verweilt, desto mehr färbt es ab. Man wird zu dem, was man tut. Der Dharma schwindet aus dem Leben, und man wird ordinär.

Und das wollte ich nicht! Und so riss ich die Kutsche aus voller Fahrt herum und machte mich auf den Weg zurück zur Klause. Ich wollte nur noch fort. Und freilich, der Laienbruder muss es bekennen, trug ich die Hoffnung im Herzen, es möge sich noch kein Nachfolger gefunden haben, der den Schlüssel an sich genommen und die Klause bezogen hätte. So war ich gar froh, ihn auf der Bank wiederzufinden.

Ich nahm ihn an mich und schloss die Pforte auf. Mief schlug mir entgegen, und ich stieß die Läden auf, um zu lüften. Mein Gewand hing noch an der Wand, alle Aufzeichnungen waren vorhanden. Doch viel Arbeit wartete auf mich, dies wieder zu einem wohnlichen Ort zu machen. Hier, zwischen den Flüssen im Dharmaland.